Familienaufstellung

Person

Wozu dienen Familienaufstellungen?

Familienaufstellungen sind ein kraftvolles Mittel, um Lösungen für Vergangenes und Gegenwärtiges zu finden. Sie dienen dem Erkennen und Auflösen von Verstrickungen innerhalb der Familie, wie z. B. Verletzen der Generationsgrenzen, Identifikation mit dem schweren Schicksal eines anderen Familienmitglieds, oder Übernahme eines Teils des Schicksals von jemand anderem.

Bei Essstörungen z.B. sind familiäre Verstrickungen häufig eine – manchmal die einzige – Ursache:  bei Magersucht ‚Ich folge Dir nach in den Tod', oder bei Essanfällen, ‚Ich esse aus Liebe zu jemand anderem´. 'Ich lebe mein Leben nicht aus vollen Zügen (sondern schränke es ein durch das Symptom), weil meine Mutter z.B. es auch nicht tut'.

Diese Verstrickungen sind normalerweise unbewusst und deshalb so mächtig. In dem Moment, wo sie bewusst werden, können sie auch i.d.R. aufgelöst werden.
Familienaufstellungen sind Arbeit am morphogenetischen Feld (Rupert Sheldrake) der Familie.

 

Wie wird aufgestellt? Person

Aus einer Gruppe sucht die/ der Aufstellende StellvertreterInnen für Familienmitglieder, oft für das Symptom und
für sich selbst aus. Danach stellt sie/ er sie wie eine Skulptur zueinander  – genau so, wie sie/er innerlich spürt,
dass es richtig ist. Dabei ist Ernsthaftigkeit und innere Sammlung erforderlich. Dann werden die
einzelnen Stellvertreter/innen von der Aufstellungsleiterin nach ihrem Befinden befragt.

Daraus wird deutlich, wo Druck im Familiensystem besteht und wie die Dynamik wirkt. Durch neue Positionen
der StellvertreterInnen und lösende Sätze wird so lange am System gearbeitet, bis sich alle Beteiligten auf ihren Plätzen besser fühlen (mit Ausnahmen bei manchen Konstellationen).

Zum Schluss entlässt diejenige, die aufgestellt hat, ihre eigene Stellvertreterin und wechselt in ihre eigene Position, um u. U. selber noch lösende Sätze zu sagen, bzw. ihre neue Position im Stellvertreterfamilienverband zu spüren.

Danach werden alle, die aufgestellt wurden, wieder aus ihren Stellvertreterpositionen entlassen.

 

Wie häufig sind Familienaufstellungen sinnvoll?

Da eine Familienaufstellung eine massive Veränderung bedeutet, kann sie bis zu 2 Jahren nachwirken. Normalerweise sind pro Jahr 1 -2 Aufstellungen sintnvoll.

Die Anwesenheit von Familienmitgliedern der Klient/Innen ist meist zu empfehlen. Es hat sich herausgestellt, dass dies sehr zum gegenseitigen Verständnis beitragen kann.

Neue Meldungen:

Wirksamkeit von Systemaufstellungen untersucht
(Deutsches Ärzeteblatt, PP, Heft 5, Mai 2013)

Szenische Darstellungen und Aufstellungen in der Familientherapie und der systemischen Therapie (‚Systemaufstellungen‘)
bestehen in der Regel aus circa 15 aktiven Teilnehmern und zehn teilnehmenden Beobachtern. Die persönlichen Anliegen der
aktiven Teilnehmer werden unter Anleitung des Seminarleiters im Raum aufgestellt. Dies geschieht nit Hilfe der anderen
Teilnehmer, die als „Stellvertreter“ für wichtige Personen oder Elemente zur Verfügung stehen. Durch räumliche Veränderungen
können „Lösungsbilder“ entstehen.
Die Wirksamkeit von Systemaufstellungen wurde jetzt am Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums
Heidelberg erstmals in einer randomisiert-kontrollierten Studie untersucht.
An dem Projekt nahmen 208 Erwachsene teil. Die Wirksamkeit von dreitägigen Aufstellungsseminaren wurde nach zwei Wochen
und nochmals vier Monate nach den Seminaren mit etablierten Messintrumenten der Psychotherapieforschung eingeschätzt und
mit einer Wartekontrollgruppe verglichen, deren Aufstellungssemiare vier Monate später stattfanden.
Die Auswertungen zeigten, daß psychische Belastungen bei den aktiven Teilnehmern nach zwei Wochen signifikant vermindert
waren und daß dieser Effekt auch nach vier Monaten stabil blieb.
Da Systemaufstellungen zwar eine lange Tradition haben, aber kontrovers diskutiert werden (insbesondere das ‚Familienaufstellen nach Hellinger‘), sind weiterführende Befunde nötig, um die Zweifel an der Methode auszuräumen.
Aus diesem Grund werden am Heildelberger Institut für Medizinische Psychologie Auswertungen zur Zielerreichung, zum Systemerleben und zu einer 12-Monats-Katamnese erarbeitet. ms
_____________________________________________
Weinhold J, Hunger C, Bornhäuser A, Schweitzer J: Wirksamkeit von Systemaufstellungen: explorative Ergebnisse der
Heidelberger RCT-Studie. Familiendynamik 2013; 1: 42-51